Mit
Stomper gibt es eigentlich immer ein paar Dinge zu besprechen, egal ob mich
Sänger Sebi abends nach der Arbeit anruft und wir eine Weile Neuigkeiten
austauschen oder das aktuelle Treiben der Band im Allgemeinen verfolgen.
Im letzten Jahr waren Stomper 98 wieder an jeder Ecke ein Thema, in gutem
wie im schlechten Licht und eines ist klar: Scheissegal
sie sind zum
Glück aus der Skinhead-Bewegung nicht mehr wegzudenken und klatschen
bestimmt mehr Fakten auf den Tisch, als mancher gerne hören will. Gut
so
havin a laugh&havin a say. Hier also wieder ein ausführlicheres
Gespräch mit Sänger Sebi, wir haben uns über die jüngere
Vergangenheit und das momentane Drumherum unterhalten. Im Anschluss habe
ich dann noch ein Interview mit Schlagzeuger Phil geführt, der eigentlich
viel zu selten zu Wort kommen. Gerade über ihn wird ja auch immer viel
gemunkelt und so habe ich mir gedacht, soll er auch mal ein bißchen
erzählen. Jetzt erst recht
.bis in alle Ewigkeit!
Hi Sebi! Super, dass Stomper
98 auch in der 30. Ausgabe wieder mit dabei sind. Um Eure Band geht es
immer wieder rund, viel wird geredet, diskutiert und gerechtfertigt. Ich
verfolge solche künstlich erzeugten Skandale nicht mehr, weil ich
keine Lust und keine Zeit für sowas habe. Wie schaffst Du das, alles
unter einen Hut zu bringen
eine große Familie mit 4 Kindern,
einen Job, eine Band, in der Du Dich um viel kümmerst
Schon 30.Ausgaben? Damn, die Zeit vergeht viel zu schnell. In einer der
ersten Hefte war auch Dein erstes Interview mit uns, wenn ich mich recht
entsinne. Schön das Du nach so langer Zeit noch am Start bist mit
Deinem Heft.
Über die Jahre habe ich es irgendwie immer hin bekommen, dass nichts
zu kurz kommt. Mittlerweile wird das schon schwieriger. Es klappt alles
schon wie ich mir das vorstelle, aber manchmal wünschte ich schon
das ein Tag mehr als 24 Stunden hat. Der Job kostet mich da am wenigsten
Nerven, das kann ich eh nicht ändern. Die Band hat einen hohen Stellenwert
in meinem Leben, schon von Anfang an, das ist keine Belastung sondern
etwas Besonderes. Und dementsprechend nehme ich mir da gerne Zeit für.
und dann brauchst
Du auch noch die Zeit, um gute Texte und Songs zu schreiben, mit denen
Ihr mittlerweile sicherlich einen Haufen an Skins ansprecht. Hat sich
Dein Zugang zum Skinhead-Dasein im Gegensatz zu früher irgendwie
verändert?
Ist ja nicht so, dass ich jeden Tag einen Song schreibe. Doch ich habe
auch irgendwie immer was zu schreiben dabei und gute Ideen notiere ich
mir sowieso gleich.
Über die Jahre haben wir in der Band auch eine gute Verteilung der
Aufgaben gemacht und so haben wir uns selbst fast optimale Bedingungen
geschaffen. Es gibt immer was zu verbessern und gemeinsam klappt das alles
gut.
Ich denke über solche Sachen nicht groß nach. Mein Leben, meine
Haltung, wie ich durchs Leben gehe, das geht Hand in Hand, auch im Alltag.
Mein Zugang zum Skinhead-Dasein hat sich nicht verändert, die Ansichten
und Ansprüche ans Leben schon. Ich brauche niemandem etwas beweisen
und dementsprechend gehe ich auch durchs Leben. Den Antrieb den ich mir
durch dieses Lebensgefühl selber schaffe, die Möglichkeiten
die sich mir dadurch ergeben, das ist was die Flamme am brennen hält.
Für mich gibt es keine Alternative zu leben. Warum sollte ich etwas
ändern was ich liebe? Die Musik, die Kleidung, die Attitude und der
Stil haben mich in guten und schlechten Abschnitten meines Lebens begleitet.
Mittlerweile bin ich Mitte Dreißig und ich merke, dass auch Familie
und die damit verbundenen Sachen sehr gut harmonieren im Zusammenhang
mit dem Way of life. Dadurch bewahre ich mir auch einen ganzen Teil Jugend
und schaue recht entspannt in die Zukunft was älter werden betrifft.
Die äußeren Umstände spielen immer eine Rolle wie das
Leben so verläuft und das hat nichts mit dem Alter zu tun.
Oder hast Du heute irgendwelche
anderen Werte, ausser besseren Leberwerten?
Vor ein paar Jahren habe ich mein Leben komplett umgekrempelt. Durch den
Hang zum Exzessivem bin ich an einen Punkt gegeben wo es für mich
keine andere Möglichkeit gab.Zuviel Alkohol, die falschen Drogen
und immer Vollgas hatten ihre Spuren hinterlassen und so wusste ich das
was passieren musste, um zurecht zu kommen. So habe ich vieles überdacht
und mein Leben weitaus positiver angegangen, weg von der Selbstzerstörung
und den dauernden Schwierigkeiten in die ich mich selber brachte. Nun,
in Schwierigkeiten bringe ich mich selber immer noch oft genug, aber jetzt
habe ich wenigstens einen klaren Kopf dabei. Zumindest bilde ich mir das
ein. Daraus ziehe ich viel Kraft durch den Alltag zu kommen oder Schaden
anzurichten oder zu hinterlassen.
Warum hast Du eigentlich
den Bass aus der Hand gelegt und bist seit 1,5 Jahren nur noch als Sänger
in der Band?
Über die Jahre als Bassist und Sänger wurde es für mich
immer schwerer optimal auf Konzerte vorbereitet zu sein. Der Bass war
immer sehr verspielt bei Stomper 98 und live war das einfach oft nicht
möglich umzusetzen. Und im Sommer letzten Jahres entschlossen wir
uns dann ungezwungen nach einem Bassisten zu schauen, der auch zu uns
passt. Mit Lars trafen wir dann jemanden der sich so schnell ins Bandgefüge
einbrachte und einfach nicht mehr wegzudenken ist für uns. Jetzt
kann ich mich voll auf den Gesang konzentrieren und live geht bei uns
auf der Bühne jetzt viel mehr.
Zu Hause spiele ich gerne Bass und versuche auch mich immer zu verbessern.
Wahrscheinlich spiele ich sogar mehr als früher, weil ich nicht unser
Zeug übe, sondern meine Technik verfeinern möchte. Ob ich allerdings
nochmal als Bassist irgendwas mache, weiß ich noch nicht.
Ihr habt jetzt einen Haufen
an neuen Sachen am Start, die ersten zwei Alben neu auf Vinyl aufgelegt,
die "4 the Die-Hards" Cd und jetzt kommt dann auch noch die
Dvd, an der Ihr solange gearbeitet habt. Wie stehst Du zu dem ganzen Kram?
Seit Anfang letzten Jahres haben wir im Prinzip ohne Pause regelmäßig
und intensiv an den verschiedenen Sachen gearbeitet. Hier in Göttingen
im "Out - O - Space" Tonstudio waren wir damit beschäftigt
die "4 the die hards" auszuarbeiten und fertig zu machen.. Die
analogen Aufnahmen digitalisieren, die alten Spuren zu reinigen und alles
in Einklang zu bringen war echt Arbeit, hat aber richtig Spaß gemacht.
Besonders die alten Sachen nochmal so intensiv zu erleben war schon was
Tolles. Das war mehr Arbeit als im Vorfeld geplant, doch haben wir diesem
Projekt auch soviel Zeit gewidmet wie möglich. Dadurch kam dann auch
die Idee die ersten beiden Scheiben nochmal auf Vinyl zu veröffentlichen.
Jetzt zum ersten Mal nicht bei Dss Records, sondern bei Randale Records.
Die "4 the Die Hards" gibts als Cd bei SUNNY BASTARDS und die
Vinylversion bei Contra Records.
Wir haben uns ein wenig anders aufgestellt und sind sehr zuversichtlich
das alles klappt wie wir uns das vorstellen. Die ganzen Sachen sind mit
komplett neuem Artwork wieder veröffentlicht, was auch komplett auf
unseren Mist gewachsen ist. Die Ideen stammen von uns und wurden dann
von Matzi (Hellboundstudio) aus Wien bzw. von unserem Freund Raoul aus
Luxemburg super umgesetzt.
Die Dvd ist nochmal ein weiteres Projekt von uns, was eine Menge Zeit,
Arbeit und Nerven gekostet hat. Wir haben viel Zeit in Berlin verbracht
dieses Jahr und alte Sachen gesichtet, bearbeitet und stundenlang immer
und immer wieder das Material angesehen. Ich bin schon mächtig stolz
darauf, denn wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt, um alles fertig
zu kriegen. Nebenbei haben wir auch live ein sehr tolles Jahr hinter uns
und im Rückblick betrachtet war 2009 ein gutes Jahr für uns.
Ich
finde Eure Texte eigentlich sehr gehaltvoll - oder die ganze Ausstrahlung
der Band - ist es nicht manchmal deprimierend, dass man sich abseits der
Texte noch viel mehr erklären muss?
Die Aufmerksamkeit die Stomper 98 zukommt war am Anfang etwas neues für
uns und ich hatte Schwierigkeiten damit umzugehen. Noch vor ein paar Jahren
war ich eher verwundert warum manche Bands - denen es ähnlich erging
wie uns - sich zu Attacken und Angriffen geäußert haben, jetzt
weiß ich warum. Es ist zum kotzen mit Sachen in Verbindung gebracht
zu werden, mit denen wir einfach nix zu schaffen haben. Den Geschichten
und Lügen ausgesetzt zu sein ohne eine Möglichkeit zu haben
sich zu wehren , da habe ich am Anfang echt Schwierigkeiten mit gehabt.
Mittlerweile haben wir einen Weg gefunden damit umzugehen und räumen
den Scheiß auch aus dem Weg. Die Unterstützung von verschiedensten
Leuten ist echt super und der Zusammenhalt innerhalb unserer Crew noch
gewachsen .
Im Sommer diesen Jahres haben sich ein paar Vollidioten in einer Radiosendung
über unsere Band mit Beleidigungen und Verleumdungen ausgelassen.
u.a. wurde dort meine Familie auf dem untersten Niveau attackiert und
mit Sachen in Zusammenhang gebracht, die weit unter der Gürtellinie
sind. Das war so ziemlich das Schlimmste was passieren konnte. Ich hätte
nie gedacht, dass Neid und Verzweiflung Leute, die es besser wissen müssten,
sowas machen lässt. Wenn ich angegriffen werde und vielleicht sogar
aufs Maul kriege ist das eine Sache mit der ich leben kann, aber Kinder
in diesen Scheiß mit rein zuziehen ist für mich unverzeihlich.
Da bleibt einfach alles auf der Strecke was mir etwas bedeutet in unserer
Szene und diese Leute gehören einfach nicht dazu. Unity ist für
mich ein Grundgedanke, ein Eckpfeiler in unserer Musik - da glaube ich
einfach dran. Ich bin nicht naiv und an Dingen festzuhalten und zu glauben
ist mir sehr wichtig. Die rassistischen Attacken von diesen Leuten auf
unseren Schlagzeuger Phil machen mich wütend und zeigen wie die Welt
funktioniert. Privilegierte Weiße aus dem "Konsumparadies"
Deutschland wollen "dem tölpelhaften" Schwarzen aus dem
"Ghetto" von New York zeigen wie die Welt sich dreht? Unfassbar
mit was für einer Selbstgefälligkeit und Arroganz dort vorgegangen
wird. Genau das ist Rassismus und wer sich äußert und aufführt
wie ein Rassist, der wird auch wie einer behandelt!
In diesen Momenten stehen wir als Band wie eine Mauer und auch von außen
gibt es immer viel Unterstützung. Das hilft natürlich ungemein.
Das in diesen Momenten eine Menge Wut ins Spiel kommt brauche ich eigentlich
nicht zu erwähnen.
Ich habe in Bezug auf die Geschichten über Stomper 98 alles durch
was Du Dir vorstellen kannst. Von Hass bis ohnmächtiger Wut, über
Frust bis hin zur Resignation habe ich da am Anfang einfach nur versucht
mich zu wehren. Doch mit Abstand betrachtet ist jeder Gedanke an diesen
ganzen Kram einfach Zeitverschwendung. Wir haben uns geäußert
und zwar mehr als einmal. Auf unserer Website haben wir das alles dokumentiert.
Es ist immer wieder erstaunlich was daraus gemacht wurde. Von Erklärungsversuchen
oder Rechtfertigungen war da die Rede. Für uns war es einfach nur
an der Zeit ein paar Sachen gerade zu rücken und richtig zu stellen.
Und
durch das viele Gerede von Dritten geht manchmal nicht der Spass an der
eigentlichen Sache verloren? Oder die Unbekümmertheit, die man früher
an den Tag legen konnte?
In vielen Situationen bin ich ernster geworden, was sicher auch am zunehmendem
Alter und der Verantwortung für die Familie liegt. Das empfinde ich
als positive Entwicklung. Das hilft mir auch mit unvermeidbaren Autoritäten
umzugehen, die im Alltag ja leider öfters auftauchen und nerven.
Hätte ich keinen Spaß mehr dann würde ich nicht weitermachen.
Für die Band habe ich soviel in Kauf genommen, da lasse ich mir den
Spaß doch von niemandem nehmen. Na und an meine Unbekümmertheit
habe ich schon ein paar Erinnerungen. Im Sommer 99 standen die Aufnahmen
zur ersten Platte "Stomping Harmonists" an. 2 Wochen am Stück
hier in Göttingen im "Out-O-Space"-Tonstudio. Ich war damals
noch auf dem Bau tätig und mein damaliger Chef genehmigte meinen
Urlaub nicht. So stand ich da und entschied mich spontan mit einem netten
"Fick Dich und mach` Deinen Scheiß doch alleine" den Arbeitstag
zu beenden und verabschiedete mich . Die Aufnahmen waren für mich
gerettet und ich war jeden Tag im Studio dabei und es war eine tolle Zeit.
Danach stand ich dann da ohne Job, hahaha. Die damalige Dame meines Herzens
fand das auch nicht so prickelnd und setzte mich nach ein paar Wochen
vor die Tür . So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber ich machte
immer was ich wollte. Heutzutage könnte ich das so nicht mehr machen,
aber damals hatte ich die Zeit meines Lebens. Wobei ich mich gerne fern
von gesellschaftlichen Zwängen aufhalte und den Mittelfinger in alle
Richtungen gestreckt halte. Ich habe damals ständig so verrücktes
Zeug gemacht und was soll ich sagen, es war wunderbar, hahaha. Aus einer
Reise nach New York wurde dann gleich mal ein längerer Aufenthalt,
wo ich mir den Lebensunterhalt durch malochen auf dem Bau verdiente. Das
war genial, von Montag bis Donnerstag täglich 10 Stunden auf Long
Island abgerissen und dann von Donnertag Abend bis Sonntag Nacht die Dollars
in Brooklyn, Queens und Manhattan wieder auf den Kopp gehauen. Als mich
das Heimweh packte ging es wieder nach Hause. Zu der Zeit entstand auch
die Crew, die es heute sogar noch gibt - die I.S.P. Connection! Naja,
so habe ich im Prinzip meine gesamte Jugend und späteres Heranwachsen
verbracht. Immer am Limit und meist aus dem Bauch heraus. Da schadet es
gar nicht heute ein kleines bisschen bedächtiger zu sein. Wobei ich
mich da auch nicht immer kontrollieren kann und es immer wieder zu verrückten
Sachen kommt. Da hilft es dann auch nicht nix zu trinken, hahaha.
Ich meine auch so Sachen wie das, was wir früher alle gern gemacht
haben
regelmäßiges Proben in einem Proberaum, wo sich
alle treffen, zusammen auf ein Konzert zu fahren und einfach die Zeit
intensiver mit Freunden verbringen, als es die Umstände heute mit
sich bringen
Die Wochenenden, die Zeit die wir mit der Band verbinden sind so intensiv,
wie es früher für mich nie der Fall war. Ich bin Lagerarbeiter
und es gibt nichts besseres als in einer Band zu spielen um den Alltag
hinter sich zulassen. Deshalb können wir ja machen was wir wollen
und haben keine Verpflichtungen als Band. Wir alle 6 gehen im Alltag mehr
oder weniger normalen Dingen nach. Mein ganzes Leben ist erfüllt
von Musik und daran hat sich bis heute nichts geändert. Darüber
nachzudenken wie es sein könnte wenn wir alle in derselben Stadt
leben würden macht keinen Sinn, also nehmen wir die Situation als
Band wie sie ist und versuchen das Optimale für uns damit zu erschaffen.
Die Entfernung zueinander, immer wieder beim Zusammentreffen einspielen,
jeder muss für sich proben usw. das ist sicher nicht einfach, aber
wir kriegen es hin. Und so ist eine so gute Produktivität und Kreativität
entstanden, wie wir es vor 2005 einfach gar nicht kannten.
Mit dieser Band durften wir Sachen erleben, wovon ich vor ein paar Jahren
noch nicht mal wagte zu träumen. Das genießen wir 6 sicher
auf unterschiedlichste Art und Weise, aber im Grundtenor herrscht da Einigkeit.
Mir persönlich sind die Treffen oft zu kurz und ich bin so aufgeregt
und aufgedreht, das alles recht reizüberflutet ist, aber das führe
ich auf meine Freude zurück, mit der Crew eine tolle Zeit erleben
zu dürfen.
Seit ein paar Wochen sind wir auch wieder in einen Proberaum mit eingezogen
bzw. teilen wir uns den Raum mit unseren Freunden von Toxpack und so werden
Bandproben wieder ein regelmäßiger Bestandteil für uns
werden.
Euer Songwriting und die
Texte haben sich extrem weiterentwickelt, generell hat sich die Szene
dahingehend extrem verändert, ich nenne es jetzt bewusst nicht "Fortschritt"
findest
Du, dass der Skinhead von heute intelligenter ist
oder kommt das
durch irgendwelche tollen Foren-Spasten einfach aufgesetzt-intellektueller
rüber, sodass jeder über alles Bescheid wissen muss?
Wie schlau oder intelligent bezeichnest Du jemanden der sich die Haare
kurz schneidet, sich von oben bis unten tätowieren lässt und
seine Zeit damit verbringt der Gesellschaft in allen Lebenslagen zu zeigen
wo sie einen kann ? Ich meine, das war der Weg den wir alle gewählt
haben und auf dem wir blieben. Ein paar Tapes, ein paar Platten und das
geilste Outfit, fertig war die beste Provokation die möglich sein
konnte. Es war früher nicht besser sondern anders. Schlaumeier und
Besserwisser gab es immer und das war ja auch in vielen Zines zu lesen
und zu verfolgen. Und in Foren geht das halt alles heute per Knopfdruck.
Mir ist das schnuppe, denn ich bin da auch aktiv in Foren - mal mehr,
mal weniger - bei denen der Lebensstil Skinhead im Vordergrund steht.
Wie überall sind dort Leute die ich mag und auch Leute die mir gleichgültig
sind bzw. mir nicht passen. That`s life. Der eine holt sich sein Wissen
aus Büchern und ein anderer erlebt das alles auf der Straße.
So ist das halt. Über nichts anderes als die Straße und unsere
Erfahrungen singen wir. Schon immer. Mal heiter und selbstironisch, mal
ernst und provokant. Und wie damit umgegangen wird muss jeder selber wissen.
Die Einflüsse auf unsere Musik sind die selben wie sie es immer waren.
Sei es musikalisch wo Bands wie 4 Skins, Last Resort, Combat 84, Cockney
Rejects, Komintern Sect, Camrea Silens, Warrior Kids, Specials, Infa Riot,
The Herberts, Agent Bulldog, The Templars, Snix, Cock Sparrer, Sham 69,
Agnostic Front, frühe DKM usw. aber auch Rose Tattoo, Motörhead
und viel Skinhead Reggae - das waren die Sachen die schon am Anfang Einfluß
auf unseren Sound hatten. Die ganze alte Punk und Skinheadschiene. Dazu
natürlich die Lebensumstände als Einfluß in die Songs.
Und musikalisch will ich nicht auf der Stelle treten. Alleine wieviele
gute Bands es momentan weltweit gibt, da versuche ich immer am Ball zu
bleiben und habe viele Bands für mich entdecken können. Ein
paar Anspieltipps - The Cliches, Hard x Times, Control, Betrayed(RIP),
xChampionx(RIP), Droogiez, The Ruckers, um nur ein paar meiner momentanen
Faves zu nennen. Aber auch die Legende The Last Resort zogen mich mit
ihrer neuesten Veröffentlichung wieder in ihren Bann. 
Letzten Sommer habt Ihr
durch Zufall Stephan Weidner von den Onkelz auf einem Festival getroffen,
kannst Du den Leuten noch mal ausführlicher darüber erzählen?
Wir haben im Sommer 2009 auf dem With Full Force gespielt, wo ja im Vordergrund
Metal und Hardcore Bands stehen . Dort spielen regemäßig auch
wenige Oi! bzw. Punkbands und für uns war das ein recht lustiges
Festival. Sowieso schon die Exoten trafen wir auch Stefan Weidner. Ziemlich
umgänglicher Typ der viel zu erzählen hatte. Keinerlei Berührungsängste
mit uns Skinheads und die Geschichten aus den Anfangstagen der Onkelz
waren recht interessant. Auf seiner Dvd sind ein paar Aufnahmen vom WFF,
wo auch unser Drummer Phil mit drauf ist. Alles im allen ein lockeres
Wochenende, wo ich den als entspannten, umgänglichen Typen erlebt
habe. Keine Spur von Arroganz oder gar Ablehnung von Skinheads.
Zu guterletzt
was
wünscht Du Dir für Eure nähere Zukunft mit der Band, wieder
etwas mehr Lockerheit anstatt viel Stress und Rechtfertigungen, die in
der Skinheadszene wenig Platz haben bzw. unnötig sind, wenn man den
Zuspruch bedenkt, den Eure Band findet?
2010 stehen ein paar tolle Konzerte an und wir wollen uns verstärkt
wieder im Proberaum aufhalten und für unsere Shows astrein vorbereitet
sein. Das ist mir sehr wichtig. Alles andere lassen wir auf uns zukommen.
Mal sehen was so passsiert. Über die Szene mache ich mir keine Gedanken.
Leute kommen und gehen und wenn alles in Trümmern liegen sollte,
gibt es immer wieder ein paar Ältere und Jüngere die gemeinsam
die Scherben aufräumen und weitermachen.
Interview mit Phil (Schlagzeug):
Phil, über Deine Person
gibt's ja auch immer die wildesten Gerüchte, was Du nicht für
ein schlimmer Finger sein würdest
wie würdest Du dich selbst
beschreiben?
Ìch bin ein schwarzer Skinhead aus New York City, um genau zu sein
bin ich seit 1985 dabei. Ich bin 40 Jahre alt, aber was Aktivitäten
angeht, bin ich viel jünger geblieben. Ich war schon Skinhead, bevor
es diese Bücher gab, wo zu lesen war, wie man als Skinhead zu sein
hat, wie man ein Stecktuch richtig faltet und welche Farbe an Hosenträgern
man tragen sollte. Ich war hier in New York dabei, als Ende der 80er die
Sharp-Sache losging - zu dieser Zeit sollte Sharp einfach bedeuten, dass
nicht jeder Skinhead ein verblödeter, Klebstoff schnüffelnder
Nazi ist. Wir haben den Kampf gegen die Medien verloren, weil man gegen
sie einfach nicht rankommt, das hat noch keiner geschafft. Sie entscheiden
selbst, was geschrieben wird und was nicht und es gibt für sie auch
keinen Grund, dass der Mainstream und die breite Masse irgendwas Gutes
über uns zu lesen bekommen sollte. Aber an den ursprünglichen
Idealen unserer Bewegung halte ich immer noch fest. Mitte der 80er habe
ich mit dem Plattensammeln begonnen, bei mir daheim als Kind gab es immer
viel gute Musik, hauptsächlich karibische Musik eben, Latin&Jazz.
Dann kam RocknRoll dazu, das führte auch dazu, dass ich mit Schlagzeug
spielen begonnen hatte.
Du
kommst sicherlich aus keiner typisch-amerikanischen Familie, erzähl
einmal ein bißchen darüber
Ich komme aus einer Arbeiterklassenfamilie mit karibischen Wurzeln. Ich
war der erste meiner Familie, der in den USA zur Welt gekommen ist. Ich
arbeite im Gesundheitswesen, ich helfe und behandle Patienten sowohl in
der Klinik als auch bei ihnen daheim, wo ich Hausbesuche mache, wenn Menschen
wegen schwerer Krankheit ihre Wohnung nicht verlassen können.
Ich stehe gegen organisierte Religion und gegen extremistische Politik.
Ich bin bestimmt kein Rassist und ich war auch niemals einer. Schwarze
können in diesem Land gar keine Rassisten sein, denn Schwarze haben
hier nichts zu sagen. Wie sollte das dann also funktionieren - jemand,
der sowieso nichts zu melden hat, kann also gar kein Rassist sein. Und
was würde es groß ändern, wenn schwarze Menschen so drauf
wären? Das ändert nichts für weisse Menschen, die mit Rassismus
noch niemals konfrontiert wurden. Obwohl die Sklaverei schon längst
abgeschafft wurde, haben wir hier immer noch mit den Auswirkungen davon
zu tun. Irgendwie ist das witzig, die Sklaverei wurde um 1860 abgeschafft,
aber es dauerte noch weitere 100 Jahre bis 1960, bis schwarze Menschen
an den gleichen Orten wie weisse Menschen etwas essen durften oder das
gleiche Scheisshaus wie Weisse benutzen durften. Klingt also alles nicht
so prickelnd, oder? Darum sollten sich die ganzen Großmäuler
und Besserwisser erstmal an der eigenen Nase nehmen und bevor sie große
Reden schwingen, vielleicht einmal als Schwarzer durch die Welt spazieren,
dann würde so mancher ganz anders reden. Ich kann es nicht leiden,
wenn jemand sagt, ich wäre irgendwie zwielichtig und mir dann erzählen
will, wie ich zu leben hätte oder was ich zu tun habe.
Wieviel Zeit verbringst
Du damit, irgendwie mitzuverfolgen, was gerade in Deutschland über
Deine Band Stomper 98 geredet und diskutiert wird?
Ungefähr genauso viel Zeit, wie ich zum Arschabwischen verwende,
nachdem ich am Scheisshaus gesessen bin. Leute, die soviel Unsinn über
andere reden, sind in 90% der Fälle nur neidisch. Oder sie stehen
auf einen! Oder beides! Ich habe sicher gar nichts gegen Schwule, aber
das ist einfach nicht meine Szene und wenn die Leute vielleicht einmal
mit mir selbst sprechen würden, anstatt sich zu fragen, welches T
Shirt ich als nächstes tragen könnte oder ob es in irgendwelchen
Templars-Songs vielleicht versteckte Messages geben könnte, dann
würden sie vielleicht mal sehen, wie ich wirklich drauf bin. Irgendwelche
Idioten haben sogar behauptet, dass ich ein T Shirt mit der Aufschrift
"I hate my color" getragen hatte, hahahaha! Besorgt ein Foto,
wo ich in diesem Shirt zu sehen bin! Demjenigen schenke ich meine komplette
Plattensammlung!!
Ich bin Karibe, ich lege schwarze Musik auf, die Templars haben niemals
auf einem RAC Gig gespielt und jedes unserer Alben hat zumindest einen
Song, der sich mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Wir waren auf
dem "Tribute To The Oppressed" Sampler dabei, auch bei "Oi!
against racism", wir haben Benefiz Shows für die Aids-Hilfe
gespielt, was wollen diese Leute denn noch alles? Anstatt uns ständig
anzupissen, sollen sie mit uns Kontakt aufnehmen und eine Show mit uns
buchen, dann kann jeder selbst rausfinden, wie wir drauf sind. Ein Schwarzer,
der schwarze Musik auflegt und jeder reisst eine üble Paranoia auf!
Legt Euch ein eigenes Leben zu und bekämpft den real enemy. Ich weiß,
dass ich es nicht bin !!
Willst Du den Leuten aus
dem deutschsprachigen Raum irgendwas mitteilen - also jenen Leuten, für
die Du zum Beispiel als Sündenbock herhalten musst?
Ich habe schon eine Freundin - sucht Euch jemanden anderen, auf den ihr
Euch irgendwie fixieren könnt
Legio SPQR rules OK!
Phil´s momentane
Top 10 Playlist:
John Holt - strange things
Justin Hinds - everywhere i go
The Creations - mix up girl
The Pioneers - trouble dey a brush
Lloyd Charmers - soul at large
Crux - skinhead
Index - stick together
Angelic Upstarts - jimmy
The Blitz - propoganda
Bleach Boys - hagar du nor
|