AGGROLITES: RUGGED ROAD CD
Endlich wieder ein neues Album von der amerikanischen New Breed in Sachen Reggae der anhörbaren Form. The Aggrolites halten sich nicht zu Unrecht in jedermanns Ohren fest, so haben sie weder live noch auf ihren Platten jemals enttäuscht. Es macht den Eindruck, als wären die Herrschaften zu nichts anderem geboren, als genau den Sound zu machen. Auf Rugged Road geben sie sich diesmal allerdings nicht wirklich gesprächig, sie lassen mehr ihre Musik sprechen und die ist auf der neuen Scheibe sehr dub-lastig und wirkt eher erst so im Hintergrund. Mich stört instrumentale Musik keineswegs! Und die Scheibe wirkt auch nicht lahm oder gar langweilig. Wenn auch etwas ruhiger und nicht so dirty, ist "Rugged Road" schwer okay! Grover Records

ANSTALT: ALTAMONT RACEWAY 7“
So schnell wie ihre Songs, schmeisst die Wiener Band auch ihre Singles raus – in diesem Format finde ich das sympathisch. Die A-Seite klingt als hätte Lemmy Kilmister zusammen mit Antiseen am Weg in die Klappsmühle noch schnell ein paar Songs aus dem Ärmel geschüttelt. Die B-Seite ist dann wieder Singalong-tauglicher, nahe dem „Warriors“ Stück von der ersten 7“. Sehr schwere Kost, schmutzig und geil!  De Nihil Records

BABYLOVE&THE VAN DANGOS: THE MONEY&THE TIME CD
Eine dänische Band, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe. Wenn sie aber auf Pork Pie veröffentlichen, dann ist das Genre zumindest grob einzuschätzen. In diesem Fall haben wir es mit Offbeat/Ska zu tun, der aber relativ modern und stellenweise poppig ausgearbeitet ist. Amy Winehouse wird ganz frech ein Song gewidmet und auch sonst klingen die Anmerkungen im Booklet recht vielversprechend. Die Texte selbst sind aber leider nicht abgedruckt. Die Band bringt musikalisch keine bahnbrechenden Neuigkeiten, sie sind somit „eine von vielen“, aber da ich schon länger nichts mehr Neues aus dem Bereich zu Ohren bekommen habe, finde ich das im Moment ganz angenehm. Die Scheibe ist im gemäßigt-gemütlichen Tempo angesiedelt, ganz passend, um ein anstrengendes Wochenende ausklingen zu lassen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – die Dänen orientieren sich deutlich mehr am UK Ska als an den jamaikanischen Wurzeln! Pork Pie Records

BAD CO. PROJECT: MISSION MOHAWK CD
Sucker endlich mit einem neuen Streich. „Mission Mohawk“ ist noch mehr eine weitere Anknüpfung an die glorreichen Oxymoron-Tage als das letzte Album. Die Stimme ist unverkennbar und ein zentraler Punkt der Band, gepaar mit den rasiermesserscharfen Gitarren, alles mit Ecken und Kanten und dennoch nicht holprig. Finde ich gut, wenn Musiker neue Songs im altbekannten Style schreiben und dennoch nicht kopieren. Einziges Manko ist, dass die Chöre bei den letzten 2-3 Songs schon fast Bierzeltcharakter bekommen, aber nicht im positiven Singalong-Stil sondern ein bißchen künstlich. Egal, der Rest der Scheibe gefällt sehr gut, auch alle anderen Oxymoron Fans sollten nicht enttäuscht werden. Attitüde und Spirit sind wie man es kennt. Aber dieses „Project“ im Bandnamen stört mich immer noch. Knock Out Records

SPLIT: BOOZE&GLORY/HARRINGTON SAINTS SHAPE-VINYL
Zwei Hammer-Bands mit zwei Hammer-Songs, und das ganze auf hammerförmigem Vinyl! Mehr Collector-Freundlichkeit geht glaube ich nicht. Und das ganze kommt dann natürlich nicht in schwarzem Vinyl. Der einzige Nachteil ist die Lagerung einer solchen Scheibe, weil sie doch recht leicht kaputtbar ist, aber der „Inhalt“ ist unverwüstbar geil! Pirates Press Records

BOMBARDIERS: SARABA NAKAMA CD
Mit diesem Longplayer ziehen die Franzosen sehr konsequent die Aufmerksamkeit auf sich, aus Frankreich kommt eigentlich selten etwas Schlechtes, aber Bombardiers schaffen es mit dem Album, wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch wenn mir das Coverdesign mit dem abwechselend-farbigen Strahlen schon etwas zum Hals raushängt, so wird mir das französische Handwerk in Sachen Straßen-Sound nie zu langweilig. Die Band vereint hier den klassischen 80er Jahre Frankreich-Oi! mit aktuellen Streetpunk-Einflüssen! Und zwar richtig flüssig. Die schöne Brücke am Cover verbindet also musikalisch zwei Generationen, und Bombardiers beweisen, dass das sehr gut in Kombination funktionieren kann. Die Songs klingen nicht berechnend, sondern sehr lebendig und mitreissend. Und mit den Coversongs hat man sich auch an zwei Bands vergriffen, an denen sich vorher nicht schon x andere vergangen haben. Gelungene Scheibe! UVPR Records

BORN TO LOSE: SWEET MISERY 7“
Das kleine Vinyl-Format steht den Texas-Punks sehr gut und macht sie in dem ganzen Download&Cd-Dschungel wirklich sympathisch. Eine 7“ hört man sich doch bewusster an, der Titeltrack ist ein Hit schlechthin, aber auch die anderen beiden Stücke sind keine Lückenfüller. Solche Bands kann man ruhig supporten, besonders wenn sie nicht nur lieblos Longplayer rausschmeissen, sondern auch wieder einmal eine gute, alte 7“ veröffentlichen. Obwohl das hier nur ein Vorgeschmack zum nächsten Longplayer sein soll, ist das Ding wirklich gut aufgemacht! I Hate People Records

CHARGE 69: RETOUR AU FRONT 7“
Ich habe C69 schon immer mit großer Spannung verfolgt und entsprechend gerne gehört. Die meisten ihrer Alben stehen immer noch hoch in Kurs bei mir und ich war erfreut, dass die Franzosen wieder etwas aktiver geworden sind. Hier auf dieser 7“ ist das grundsätzlich nicht anders, aber der richtige neue Überhit lässt sich nicht so wirklich heraushören. Caps&Co haben da früher schon mehr Feuer unterm Arsch transportiert. Die 4 Songs sind keinesfalls mies, aber so richtig mitreissend leider auch nicht. Dirty Punk Records

THE CLICHÈS: BORN TO BOOZE 10“
Beinahe paradiesisch gestaltete Picture-Platte mit 4-facher Oi! Oi! Power. Wenn eine Band „on parole“ von Lemmy covert, dann hat sie fast alles richtig gemacht. Bands wie The Clichés sind für mich der beste Beweis, dass Skinheads niemals untergehen werden. Longshot Music

CONTROL: PUNKROCK RUINED MY LIFE CD
Die zweite Meldung von Ian (ex-Beerzone) mit seiner neuen Band. Das erste Album hat zwei absolute Hits geliefert und ich war gespannt, wie es beim neuen Album sein wird. Nach mehrmaligem Hören haben sich da ebenso eine handvoll potentielle Ohrwürmer hervorgetan. „Punkrock ruined my life“ ist dem klassischen UK-Streetpunk in sehr konservativer Form zuzuschreiben, sehr schöne Chöre und musikalisch einwandfrei umgesetzt. Man verschreibt sich wie gehabt dem typischen Oi!-Spirit, legt sich nicht unbedingt in einer bestimmten Schublade fest und untermauert das ganze mit echt gutem Sound. Control gefallen mir sehr gut und zählen zu den Spitzenreitern an neueren UK Bands! Step 1 Music

COTZRAIZ: FEHLPRESSUNG CD
Ich fand das erste Cotzrait Album damals auf Scumfuck (das mit dem schönen Cover!) sehr geil, die zweite LP danach hat mich eher enttäuscht. Bei „Fehlpressung“ habe ich im Vorfeld nur Positives gehört – und das kann ich hier jetzt auch amtlich so unterschreiben. Ich weiss gar nicht in welche Sparte „D-Punk“ man Cotzraiz einordnen soll, aber es ist auf jedenfall eine gute Ecke, wo sich die Jungs zuhause fühlen. Man glaubt der Band vom ersten Ton an, dass sie es 100% ernst meinen und keine Rich-Kids sind, die hier ein bissl Wohnzimmer-Rebellentum auf Platte pressen. Allein das ist ja schon einmal eine Ausnahme! Dazu muss man sagen, dass Bogo ja auch der ideale Kopf für eine solche Bande ist, seine Texte dazu, das passt einfach. Diesmal sind es viele Songs geworden, musikalisch gibt es viele Überraschungen – bis hin zur waghalsigen Zigeunerpolka! Lied Nummer 9 ist dann der Soundtrack zum aktuellen Tagesgeschehen. Wer eine zurechnungsfähige D-Punk Band von heute sucht, sollte sich die Jungs ins Regal stellen – oder wenigstens diese Platte. Leider hacken ein paar Songs von der Cd, oder ist das Absicht von wegen „Fehlpressung“? „Zusammenhalt“ hat übrigens ähnliches Hit-Potential wie „Stolz&Stark“ von der Debüt-LP! Sunny Bastards

DIE DORKS: SERVUS, GRUEZI UND…CD
Bayrische Punkband mit kitschigem Coverfoto und dem Versuch, die Brücke zwischen bayrischer Tradition und rotzfrechem Punkrock ordentlich ins Wackeln zu bringen. Das klappt grob gesagt auch recht gut, auch wenn der Sound nicht wirklich das ist, was ich mir jeden Tag anhöre. Die Idee finde ich ganz gut und die Band scheint ihren Spass daran zu haben, aber wirklich innovativ ist das unterm Strich dann doch nicht. Passend zum Image gibt man sich ein bißchen aufständisch, ein bißchen Assi und sehr durstig. Das reicht aber nicht wirklich, um musikalisch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sn-Punx.

FAHRENHEIT: KRANKE WELT CD
Relativ neue Band aus Magdeburg, die eigentlich auch ganz gut auf Asphalt Records gepasst hätte. In der Bandinfo steht was von Streetpunk und Oi!, ich würde es eher als eine Mischung aus Vogelfrei und den Oiters (die irgendwann vor vielen Jahren auf Knock Out etwas veröffentlicht haben). Ist eher rockige Musik, aber in meinen Ohren kein Deutschrock, dafür werden textlich zu wenig Vorurteile bestätigt und die Band kommt auch zu wenig verkrampft für stocksteifen und uninteressanten Deutschrock im heutigen Sinne rüber. Ich finde, die fetzen stellenweise ganz gut, sind an den richtigen Punkten melodiös und in ein paar falschen Momenten zu lahmarschig. In Summe aber doch ganz nett anzuhören und eine positivere Überraschung, als ich ursprünglich befürchtet hatte. SN-Punx

HORROWSHOW: ALEX GO CD
Ich habe vor vielen Jahren einmal ein Tape von einem polnischen Skingirl bekommen, da waren Horrorshow auch mit dabei und ich fand sie damals schon recht passabel. Klassischer Sound mit polnischem Touch und leider nur 9 Songs, wobei bei zwei davon die Jungs von Booze&Glory mitwirken. Grafisch sehr schön gestaltet und auch sonst ganz nett. Kritikpunkt sind eben die wenigen Songs und dass zwei davon noch dazu doppelt vertreten sind. Olifant Records

HUDSON FALCONS: DANCING UNDERNEATH THE MOONLIGHT CD
Andre von IHP hatte mich noch vorgewarnt, dass die neue Hudson Falcons „aber schon nochmal eine Spur rockiger klingen würde“. Ob er mir damit Angst machen wollte? Ich war auf alles vorbereitet – erstes Mal reingehört und sofort begeistert gewesen. Kann schon sein, dass Andres Vorwarnung „eine Spur gerechtfertigt“ war, aber das in diesem Fall gar kein Problem. Wenn eine Scheibe rockiger ausfällt und dann genau SO klingt, dann habe ich absolut keine Abneigungen. Wäre ja auch gelacht wenn die Herren irgendwann einmal enttäuschen würden, da entschuldigt man auch das überkitschige Covermotiv! Das darf allerdings nicht jede Band. Die neuen Songs sind von Anfang bis Ende eine geschlossene Sache, wirklich gut umgesetzt und zeitlos geil! So gesehen bietet „Dancing underneath the moonlight“ gleich 12 Anspieltipps – keine schwache Leistung bei einer Anzahl von 12 Titeln!IHP Records

JOHNNY WOLGA: PUNK`S NOT BACK CD
Den ersten Streich der Band kenne ich leider nur vom Hören-Sagen, darum ist „Punk´s Not Back“ mein erster Streich dieser deutschen Fun-Combo. Klar, Toy Dolls scheinen 777%ig der Haupteinfluss bei dieser Band zu sein. Aber es ist kein schamloses Klauen, was diese Band hier musikalisch umsetzt. Ausserdem hat man vom „Original“ eh schon länger nichts mehr gehört. Mich würde interessieren, wie lange der Sänger gebraucht hat, um so eine Stimme zu haben. Ob das live auch so klingt? Geiler, minimalistischer und dennoch absolut stimmungsvoller Punkrock! Die Band arbeitet mit ganz einfachen Mitteln, setzt die Chöre gekonnt ein und zeigt, wie simple und spannend gute Punkmusik sein kann. Contra Records

THE JUNKERS: NASZA WOLNOSC CD
Die Freude war ähnlich groß wie die Überraschung, dass es nach der 7“ wirklich auch ein ganzes Album von dieser polnischen Kapelle gibt. Hätte gedacht, die hätten sich vielleicht schon aufgelöst oder so. Die Qualität der kleinen Platte halten sie auf voller Länge nicht ganz durch, aber in der Gesamtnote schneiden sie dennoch positiv ab. Die halbakkustischen Passagen lassen die Band manchmal etwas düster wirken, was sich meiner Meinung nach im Skinhead-Kontext dann doch etwas beisst. Alles auf polnisch gesungen, ich finde die Sprache manchmal ganz gut und ist auch einmal was anderes als immer nur englische oder deutsche Texte. Ein Coversong einer ehemaligen Punkband (!) ist auch zu hören, wenn das mal keinen Ärger gibt. Und dann noch krasser – sie covern auch „Policia“ von Sepultura, aber zum Glück in ihrem eigenen Stil! Mich würden die Texte interessieren, man dürfte sich aber an den üblichen sozialkritischen Mißständen orientieren. Zumindest erweckt die Aufmachung der Cd diesen Eindruck. Sängerin Mucha habe ich optisch ganz anders in Erinnerung, aber die Stimme ist die Gleiche. The Voice of Poland, oder so! Olifant Records

KÄRBHOLZ: 100% CD
Der Opener dieses Albums zeigt für mich auf hörbare Art, dass ich mit dem Deutschrock-Boom einfach nichts anfangen kann. Auch wenn es hier „Country-Core“ betitelt wird, ist das doch Deutschrock. Den vielen Fan-Tattoos im Booklet nach zu urteilen, findet der Sound aber scheinbar seine Anhänger. Gut, ich gehöre nicht leider nicht dazu. Mir fehlt einfach die feste Verwurzelung zur Subkultur. Einzig der Song „Timmi halts Maul“ ist eine Empfehlung, vor allem auch textlich – denn musikalisch könnte der Song auch eine brutalo-Variante von Sondaschule sein. Ansonsten ist das alles zwar sicher mit viel Fleiß verbunden und erinnert in Ansätzen an die wahrscheinlichen Helden der Szene (Freiwild?!), aber ist einfach nicht mein Revier. Asphalt Records

KNUCKLEHEAD: HEARTS ON FIRE LP
Absolutes Hit-Album. Ich habe irgendwo eine Cd von Knucklehead herumkugeln, die ich alle heiligen Zeiten einmal anhöre und immer wieder gut finde. Eine typische Band, deren Songs auch in 20 Jahren noch verdammt frisch klingen werden. Zeitlos geil gespielter Punkrock, mit gut eingesetzter Leadgitarre und verdammt stimmungsvoll. Dafür sind die fetten Chöre wohl am meisten verantwortlich, ohne dass sie aber peinlich oder aufgesetzt wirken. Wer in seine verstaubte Sammlung frischen Wind bringen will – nur zu! Contra Records/Longshot Music

KRAFT DURCH SUPPE: VOLLE KELLE PicLP

Ska-Punk aus Berlin, Ska-Punk gefällt mir nur in sehr seltenen Fällen. In diesem Fall ist das alles auf deutsch gesungen und klingt sehr stark nach Oxo 86. Wobei mir letztere doch um ein Eck besser gefallen. Die Zielgruppe für solchen Sound dürfte um gute 15 Jahre jünger sein, als ich es bin. Ist also nicht das, was mich aus den Socken haut. Aber ich glaube die Band gibt es gar nicht mehr, oder? Mit der Platte kommt auch noch eine Sampler-Cd, die ein bißchen wie eine Outtakes-Version von frühen „Schlachtrufe BRD“ Samplerteilen klingt. Grundsätzlich halte ich es immer für gut, wenn man in eine Picture-LP investiert, aber in diesem Fall ist der Inhalt nicht so flüssig, wie man es sich von einer Suppe verspricht! Oi! The Nische

THE KRAYS: SANGRE CD
Wusste gar nicht, dass es die Amis noch bzw. wieder gibt. Und irgendwie hatte ich die auch etwas anders in Erinnerung. Hier zeigen sie einerseits ihre gewohnte punkige Seite, glänzen aber auch mit einem Latino-Touch und haben wohl einige Kumpels im Studio dabei gehabt, um so ein abwechslungsreiches Album zu zaubern. Man muss zugeben, dass diese beiden Stile sehr gut miteinander harmonieren. Ist einmal was ganz anderes, so traditionelles Zeugs einzubauen. Nachdem ich mir „Sangre“ jetzt einige Male angehört habe, ist noch keine Langatmigkeit zu bemerken! Überraschende Scheibe und wirklich einmal was anderes! Street Justice Records

MIND THE GAP#11 http://www.myspace.com/minthegapfanzine
Totgesagte leben länger, gibt es also das doch noch, diese Gazette. Wäre auch traurig, wenn eine Stadt wie Hamburg nur ein gutes Heftchen beheimaten würde (nämlich das Streets of HH). Die Berichte sind teilweise zwar schon etwas älter, aber mich stört so etwas nicht - schließlich kommt aus auch manchmal vor, dass ich bewusst zu älteren Lektüren greife. Und vor den wirklich veralteten Beiträgen bleibt der geeignete Leser laut Vorwort ohnehin verschont. Im Zeitalter von Blogs&Positigs ist das Geschriebene von gestern heute sowieso schon wieder längst vergangen. Scheiss drauf - ich finde das Mind The Gap sehr angenehm zum lesen, die Macher haben das Herz am rechten Fleck und es pumpt Punkrock-Blut in bester Manier! Die Interviews sind alle liebevoll geführt, schön auch immer wieder der Bezug zur eigenen Stadt/Szene in Hamburg, St. Pauli&Co. Mir fehlen ein bißchen die Reviews in dieser Ausgabe - so ist es bis auf einige Ausnahmen doch eher eine Ansammlung von Interviews, wenn auch die dazugehörigen Partner schön durchwachsen ausgewählt wurden.

NOI!SE: THIS IS WHO WE ARE 10“
Mit Noi!se hat meiner Ansicht nach eine neue Ära im amerikanischen Oi!/Streetpunk Sektor begonnen. Selten hat es eine Band geschafft, sich so schnell in meine Favoritenliste zu spielen. Noi!se sind eine Band der Art „kann man immer auflegen“. Matt´s Stimme, der treibende Sound, die Band lebt einfach!Keine Ahnung, was sie anders als 1000 andere Bands machen, aber sie stechen sehr deutlich aus der Masse heraus. Wahrscheinlich liegt es an den Leuten selbst, sie versprühen einfach einen guten Spirit (Aura würde in diesem Zusammenhang lächerlich klingen, oder?). Noi!se könnten ruhig bei den nächsten Präsidentenwahlen kandidieren. Ein Coversong von Cock Sparrer ist Ehrensache! Und geil! Longshot Music/Contra Records

OFF WITH THEIR HEADS: SHAPE VINYL
Keine Ahnung, warum diese Band im letzten Jahr so sehr gepusht wurde. Für mich klingt das wie eine Alternative für Langzeitstudenten, die keinen Bock mehr auf Blink182&Co haben. Das mag vielleicht provokant klingen, aber genau diese Provokation fehlt dieser fraglichen Punkband! Pirates Press

ON THE JOB: A BAG FULL OF BREW CD
Dem neuen Album der Schweden habe ich schon einige Zeit entgegengefiebert, weil ich im Vorfeld nur Positives über die zweite Scheibe gehört hatte. Auf dem letzten OTP Sampler habe ich ja schon einen Song untergebracht – jetzt, wo ich das ganze Album gehört habe, muss ich allerdings sagen, dass der besagte Song auch gleichzeitig die beste Nummer von der ganzen Scheibe ist. Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr erwartet, nachdem auf dem Debüt die Messlatte schon sehr hoch angesetzt wurde. Das hier ist jetzt eher ein Mix aus durchschnittlichen Evil Conduct und frühen Perkele Sound. Schade, denn ich hätte mir erhofft, dass On The Job ihren Standard halten können, aber unterm Strich waren meine Erwartungen wohl doch zu hoch. Das Accept-Cover ist eine super Idee und 1-2 andere Nummern auch noch, aber gesamt ist mir das doch zu durchschnittlich! Scheiße, hoffen wir auf´s nächste Album! Contra Records

THE PAUKI: SHIP WONT GO TO PORT CD
Diese russische Band gibt es schon einige Jährchen, sie sind ein bißchen auf der Spur der Real McKenzies, aber dafür sind sie eine Spur zu nüchtern. Was eigentlich nach einem Witz klingt, wenn man bedenkt, dass die Jungs aus Russland kommen. Aber ist wirklich so, das klingt alles sehr steril und wenig spontan, die Dudelsack-Einsätze und so. Hm, dafür haben sie auch noch einige rockigere Songs zu bieten – auch nicht so flüssig,wie es sein könnte. Und da ein Bandmitglied ein Hardcore-Shirt trägt, darf natürlich auch diese Schublade nicht fehlen. Diese Aspekte zusammengewürfelt ergeben zwar nette Ansätze, ufern dann aber doch in Belanglosigkeit aus. Hier war man am falschen Eck professionell, denn es klingt alles sehr aufgesetzt und auf vielen Hochzeiten sollte man nie gleichzeitig tanzen. Ausser, man kann es! Neuro Empire Records

PRINS CARL: NEW ORDER CD
Bis dato völlig unbekannte Schwedencombo. Vielleicht schon einmal auf einem Sampler gehört, aber nie wirklich wahrgenommen. Die Songs von diesem Longplayer bleiben aber dafür umso schneller im Gehör haften. Kräftiger Singalong Streetpunk, der aber schön straight und zeitlos herkommt. Also kein Poser-Alarm, schöner britischer Einfluss – verbunden mit schwedischem Handwerk sollte das ja schon als Gütesiegel durchgehen.

RAZORBLADE: GEGEN DIE MASSE CD
Haha, Wouter heisst hier plötzlich Walter, er ist der deutschen Sprache wohl komplett verfallen und hat mit seiner Bande jetzt doch wirklich ein komplettes deutschsprachiges Album eingespielt. Die spinnen, die Holländer! Die erste Hälfte der Scheibe ist eher schwer eingängig, dafür wird es dann umso schmissiger. Knochenharter, trockener Skinhead-Rock mit ebensolchem Gesang und coolem Akzent! Der Song gegen Drogen ist sehr begrüßenswert, der Zielgruppe wird die Message wohl leider trotzdem an der Nase vorbeigehen! Aber schön, dass da jemand wieder einmal das Thema anspricht! Der Hintergrund zur letzten Nummer auf der Cd ist auch ein guter Einfall – bzw. finde ich die Idee gut, so einen Song auf ein Album zu packen. Vogelfrei wird auch gecovert – ein sehr aussergewöhnliches und damit interessantes Skinhead-Werk! Rebellion Records

ROY ELLIS: THE BOSS IS BACK CD
An Selbstvertrauen mangelt es dem Wahlschweizer nicht, klar! Sein neues Album liefert aber auch ein ganz stabiles Fundament für den Titel „Boss“, da kann man es auch verzeihen, dass er den besten Track der Scheibe gleich zu Beginn verpulvert. Sehr entspannter Sound, wenn jemand wie Roy Ellis nicht die Routine für guten Jamaika-Sound besitzt, wer dann? „The Skinheads Laugh At Me“ ist textlich etwas skurril, Lied Nummero 9 passt auch ganz schön ins Bilderbuch, aber mit solchen Klischees hat Roy Ellis ja noch nie gespart. Tut in diesem speziellen Fall auch gar nichts zur Sache, das Album ist ein Hit und ausser ein paar Sturköpfen wird jeder seine Freude daran haben! Liquidator Music 

SCHUSTERJUNGS: UNVERGÄNGLICH LEBENSLÄNGLICH CD
Dieses ostdeutsche Trio ist auch ein Garant für ehrlichen Skinhead-Sound. Die ersten beiden Alben der Band höre ich gerne und regelmässig, weil sie zeitlosen&guten Sound spielen. Das neue Album hat relativ lange auf sich warten lassen, aber gelohnt hat es sich auf jedenfall. Ich mag den angepissten Spirit der Band, die Texte reden nicht am Thema vorbei und werden dann noch in angriffslustige Melodien verpackt. Für mich klingen die Schusterjungs ein bißchen nach einer rüden&frechen Variante von Loikaemie, allerdings mit beständigerem Bezug zur eigenen Szene! Berliner Weisse wurden auch ein bißchen in die Aufnahmen miteinbezogen. Durch den Aufbau der Songs kommt das alles schön schwungvoll und man ist quasi verpflichtet, ständig aufmerksam zuzuhören. Wichtige Band! Anspieltipp ist Nummer 4! Bandworm Records

SKINHEAD STORY#1 skinheadstory.blogspot.com

Neues Fanzine aus Polen, ich verstehe kein Wort aber die Optik ist in zweifacher Hinsicht vielversprechend. Super Coverzeichnung, schönes Layout und vom Inhalt her eine tolle Auswahl. Die Macher beweisen Geschmack, unterstrichen von beiträgen über The Cundeez, Razors In The Night und vielen anderen Bands aus dem Oi!/Punk Gewässer. Leider alles auf polnisch, aber sehr sympathischer Spirit in mir unverständlicher Sprache.

SLICK 46: HURRY UP LP
Die Australier mit einem anstandslosen Album, sie haben den Standard von der 10“ ganz locker gehalten. Schön schmutzig und dennoch straight nach Vorne, interessant finde ich das Guns Of brixton Cover. Von der Auswahl jetzt nicht wahnsinnig kreativ, aber ich hätte dem Trio eher irgendeinen englischen Oi!-Klassiker zugetraut zu covern. Das stellt die Band nochmal in ein anderes Licht. Die Aufmachung ist gewohnt geil, fettes Klappcover, die Cd Version gratis dabei. Support the Aussies! Longshot/Contra Records

STOLZ&STIL#25
stolzstil@web.de
Ob das Farbcover dem Micha etwaige Kommerzvorwürfe einbringt? Man wird es sehen, die halbrunde Ausgabe hat für mich wieder einige interessante und den üblichen Anteil an uninteressanten Beiträgen. Hervorzuheben ist diesmal das ausführliche Interview mit Valkyrians und mit dem ehemaligen Gitarristen (?!) von Kampfzone. Besonderes letzteres ist sehr lesenswert und wird bei vielen Leuten für ein „Aha…-Erlebnis“ sorgen. Ich habe die Band nach ihrem Beirtag auf dem DSS Sampler und der ersten 7“/LP nicht weiter verfolgt, aber hier wird aus erster Hand doch einiges anders dargestellt, als die Gerüchte immer zu erzählen wussten. Für mich der relevanteste Beitrag dieser Ausgabe. Stories über Rancid, Desmond Dekker, Judge Dread und Sham 69 stehen Konzertberichten von irgendwelchen teilweise politischen Combos gegenüber und die Pizzabois von Armco wirken trotz der bösen Visagen am Bandfoto nicht sonderlich innovativ. Berlusconi als „nicht den Schlechtesten“ zu bezeichnen, sorgte dann doch für ein herzliches Lachen. Wehe irgendein linker Politiker an ihrer Spitze würde für Koks&Nutten-Schlagzeilen sorgen…dann wäre das Feindbild wieder korrekt. Wäre überhaupt einmal interessant, wie die Burschen zum Koks-Konsum in den eigenen Reihen stehen, ist ja anscheinend auch schon in der aufrechten Sparte der Skins sehr salonfähig geworden, das weisse Pulver. Aber darüber wird nur unter hervorgehaltener Hand und gestopfter Nase gesprochen. Skinfull aus England werden zurecht als beachtenswerte Newcomer aus England gehandelt und dem Tourbericht von Corps nach zu urteilen, war deren Gig in Wien weitaus besser besucht, als bei manchem Deutschland-Gig. Was an der Band böse sein soll, erschliesst sich mir bis heute nicht. Ebenso wenig die Frage, seit wann man „ruhles“ mit „h“ schreibt, aber ega(h)l. S&S fährt also den üblichen Kurs, der nicht jedem schmecken wird, aber hier mischen halt unterschiedliche Leute mit und das wirkt sich auf den Inhalt aus. Ich habe zu einigen Sachen/Bands nach wie vor  eine andere Meinung, aber auf der Welt ist Platz genug, um jedem sein Ding machen zu lassen.

THE SUICIDE KINGS: MENTICIDE CD
Das letzte Album dieser deutschen Band hat mir sehr gut gefallen, diesmal haben sie sich noch mehr in Richtung Metal entwickelt und das gefällt mir weniger gut! Stellenweisen hört man schon noch einen deutlichen Streetcore-Einschlag heraus, aber die Gitarren geben eben eine andere Marschrichtung an. Den Vergleich zu Discipline kann ich nach wie vor noch gelten lassen, nur ist er nicht mehr so deutlich. Geht mir zu sehr ins langhaarige Genre, was ich schade finde. Man bewegt sich im mittleren Tempo-Bereich und das macht sich ganz gut, aber dennoch sind mir die Liebäugelein mit der harten Fraktion ein bißchen unsympathischer als auf der letzten Scheibe. Wäre besser gewesen, sie hätten sich mehr am Straßenfaktor als an der Metalszene orientiert. Die Band-Shirts, die der Sänger auf den Fotos trägt, zeigen aber doch dass sie sich in dieser Ecke besser aufgehoben fühlen. „Crucify the saints“ ist ein passendes Beispiel, schönes Singalong-Lied, dass zwischendurch aber durch fast Manowar-Manieren annimmt. KB Records

V/A SUN OF A BASTARD VOL.4 CD
Aktuellster Teil der Sampler-Reihe, vollgestopft mit Perlen aus dem aktuellen Geschehen der (großteils)deutschen Musiklandschaft. Bis auf ein paar Ausnahmen, mit denen ich musikalische Berührungsängste pflege. Hier auch die erste offizielle Rückmeldung der Oi-Melz und auch sonst einige Sachen, die man bisher nirgendwo anders gehört hat. Was ich schade finde, bei so einem Sampler merkt man sehr deutlich, wie „wertlos“ Musik auf richtigen Tonträgern geworden ist – auch wenn es „nur“ eine Cd ist. Aber früher wäre sowas ein essentielles Dokument gewesen, heute ist es ein notwendiges Mittel, das finanziell kaum gewertet wird und eben irgendwie als „Wegwerfprodukt“ gehandelt wird. Auch wenn der Inhalt viel zu schade darum ist. Sunny Bastards

V/A TERROR AUS DER BOX VOL.3 CD
Die ersten zwei Teile sind als Tape bzw. als gebrannte Cd erschienen, der dritte Teil jetzt als „echter“ Silberling, dennoch bleibt der DIY-Touch deutlich im Vordergrund stehen. Einen Haufen Bands aus Ostdeutschland sind hier vertreten, sodass mich das gute Stück etwas an den „Oi! Punk und Iroattacken“ Sampler erinnert. Der Großteil der Namen ist bekannt – Blutiger Osten, Gleichlaufschwankung, Speichelbroiss (gibt’s die noch?), Berliner Weisse und viele andere Bands sind hier vertreten. Hier geht’s teilweise schön schrammelig zur Sache, aber von der Atmosphäre gefällt mir das im Gesamtbild. Würde sich auf Vinyl aber besser machen. Nettes Tondokument, das heute wahrscheinlich ein rarer Klassiker wäre, wenn die Scheibe vor 20 Jahre erschienen wäre. Warten wir halt weitere 20 Jahre! Myspace.com/havelboiz

TRADITIONALS: STEEL TOWN ANTHEMS CD
Die Amis liefern auf ihrem neuen Album wieder keine Enttäuschung – im Gegenteil – mir kommt es vor, als würden sie sich jedesmal noch steigern. Die Stimme ist schön kräftig und grimmig zugleich, klingt ein wenig nach Herren Miret. Stilistisch ist das eben Streetpunk, Oi! – flott gespielt und einige Stücke sind gleich beim ersten Mal Anhören hängengeblieben. Ich überlege die ganze Zeit, an wen mich die Traditionals noch erinnern, Bonecrusher? Vielleicht ein bißchen zu wenig dreckig und an die Götter kommt man nur schwer dran, aber ebenso verdammt amerikanisch! Vielleicht eine ganz passende Alternative zu unnötig gepushten Bands, mit denen einem die Leute den Ami-Streetpunk auf´s Ohr drücken wollen. Impact Records